Allgemein

Entlebuch und ein halbes Zebra
Samstag, 2. August 2008, 18-21 Uhr
Kölner Innenstadt, Deutzer Ufer

In Köln gibt es seit Kurzem ein Kunstorchester, das sich aus Künstlern und Kulturschaffenden zusammensetzt und Musikspektakel für den öffentlichen Raum entwickelt: Kwaggawerk, dessen Begriffsherkunft sich auf ein im 19. Jahrhundert ausgestorbenes „Mischtier“ aus halb Zebra und halb Pferd bezieht.

Unter Mitwirkung von über 200 Blasmusikern aus drei benachbarten Schweizer Bergdörfern aus dem Entlebuch wird am Samstag, den 2. August der öffentliche Raum von Köln auf eine Weise bespielt werden, die Musik und Theater, Tanz und Kunst miteinander verknüpft und zu einem Gesamtkunstwerk werden lässt. Verbunden mit der Idee eines Sternenmarsches bewegen sich fünf Bläserkapellen gleichzeitig durch die Stadt, von verschiedenen Punkten ausgehend und ein gemeinsames Ziel ansteuernd, während sie mit Choreographie und eigens dafür entwickelten theatralischen Performances sich fortbewegen und gleichzeitig die Stadt mit ihren lauten anarchischen Klängen und Rhythmen beschallen.

Mit dem Projekt setzen sich Kwaggawerk und die Beteiligten thematisch mit dem Unterschied zwischen Stadt und Land, Urbanisierung und Abwanderung auseinander, und bemühen sich um eine künstlerisch-ästhetische Umsetzung der Sachverhalte: Schweizer Blasmusikgruppen werden ihrem ländlichen Umfeld entbunden und in ein Großstadtverhältnis gestellt und lassen sich von deutschen Künstlern bearbeiten. Dafür haben die Künstler von Kwaggawerk in kontinuierlicher Arbeit ein Konzept entwickelt, welches sich auf verschiedene Blickwinkel einlässt, die den einzelnen Blasorchestern zugewiesen als Straßenprogramme präsentiert werden.

 
Der Prozess der Zivilisation – Das Grossstadttier
Ein Guggenorchester aus einem Schweizer Dorf kommt stadtfein in die deutsche Grossstadt Köln sehr ordentlich in weissen Hemden und Business-Anzügen gekleidet. Mittels Eingriffe in die Kleiderordnung und Verhaltensanweisungen verwandeln sich die Dorfbewohner in Grossstadttiere. Die Musiker sind mit zusätzlichen Mutationsmerkmalen ausgestattet.

Die Invasion der Unsichtbaren
Die Invasion breitet sich aus. Sie sind schon unter uns. Versuche der Abschottung funktionieren nicht. Die Welt ist in Bewegung. Überfremdungspanik greift um sich. Man meint sich schon von Asylantenwellen überschwemmt. Man ist kulturgeschockt. Und sind jene Touristen oder Terroristen? Dabei sehen manche völlig harmlos aus. Sind nicht von den anderen zu unterscheiden. Sind unsichtbar.

Eine Schweizer Guggenmusikkapelle infiltriert den öffentlichen Kölner Raum. Unauffällig gekleidet, die Instrumente unter den Jacken (schlecht) versteckt. Sie bewegen sich vereinzelt und lassen sich von der Menge mittreiben. Plötzlich springen die Unsichtbaren zusammen, bilden eine Gruppe, holen ihre Instrumente hervor, spielen auf und werden sichtbar. Nach dieser Manifestation von purer Lebensfreude verstreuen sich die Musiker wieder hastig und werden UNSICHTBAR.

Das Environment Ex Machina
Eine Guggenmusik aus einem Schweizer Dorf bewegt eigenartige Figuren über den Köpfen schwebend durch die Stadt Köln. Die einerseits die Objekte verherrlichenden und andererseits von den Objekten gepeinigten Musiker pendeln im Rollenspiel hin und her und geraten in einen Konflikt. Die fliegenden Figuren stehen symbolisch für die Darstellung der Macht der Industrie, Wirtschaft und Technik – eine Analogie zum antiken Theater, in dem das Schicksal oder die Macht der Götter eine unauflösliche Situation herbeiführt.

Die feine Konversation
Ein Guggenmusikorchester aus einem Schweizer Dorf kommt als Tourist in die Grossstadt Köln und lässt sich wissensdurstig auf eine Stadtführung ein – eine abenteuerliche Reise mit spontanen Antworten auf brennende Fragen über die Stadt im Sprachenwirrwarr einer kontroversen Führung.

Die Alpenaneignung
Ein Kölner Kunstorchester hat Fernweh. Die Ferne ist weit, die Stadt hält die Kölner fest, sie müssen sich ihre Bergidylle selber machen. Wie alles von fern Betrachtete gerät auch ihr selbstgemachtes Alpenpanorama zum flachen Abbild der Wirklichkeit, die sie fast nur von Postkarten kennen und in der sie Touristen sind und bleiben: Die Berge werden großformatig als Silhouette aus Karton ausgeschnitten und wie ein Rucksack umgeschnallt, so dass sie die Musiker überragen. Musizierend laufen sie durch ihre Stadt, tragen das Fernweh auf dem Rücken, die Berge wackeln mit.

Open Air und Eintritt frei

Mit freundlicher Unterstützung von:

 

 

 

  

 

 

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